Heuchelheim (fhh). Seit Montag ist die Wanderausstellung »Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland« in der Sporthalle an der Schwimmbadstraße in Heuchelheim zu sehen.

Ausstellung zu Deutschen aus Russland

 

Projektleiter Jakob Fischer, Vorsitzende Rosa Tugova und  Bürgermeister Lars Burkhard Steinz	 (Foto: fhh)

Vorherige Stationen waren unter anderem Gießen und Reiskirchen. Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen über die wechselvolle Geschichte dieser Bevölkerungsgruppe. Zu sehen ist die Ausstellung bis 2. Mai.

Die Ausstellung beginnt mit der beispielhaften Einwanderungsgeschichte von vier Familien. Gezeigt werden die Leistungen, die die Deutschen erbrachten, die erste kritische Situation nach dem Ersten und vor allem im Zweiten Weltkrieg mit den von Stalin angeordneten Massendeportationen. Die Verbannung und schließlich auch die Möglichkeit der Rückkehr nach Deutschland werden mit Daten und Fakten dargelegt. Die Deutschen, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ihre Heimat verlassen hätten, seien keine Abenteurer gewesen, vielmehr ehrbare und fleißige Bauern und Handwerker, erinnert Fischer. Wirtschaftliche Not als Folge des Siebenjährigen Krieges, Landmangel und Willkür der Obrigkeit, Steuerlasten, Zwangsrekrutierungen zum Militärdienst, aber auch religiöse Verfolgung zwangen die Menschen zu diesem schicksalsschweren Schritt.

 Zarin Katharina II. hatte 1763 in einem Manifest die Ausländer eingeladen, sich in Russland anzusiedeln. So entstanden ihre Siedlungen streng nach Konfession getrennt und oft nach Dörfern und Städten der Heimat benannt.

Im Namen der Orts- und Kreisgruppe Gießen der Deutschen aus Russland begrüßte Rosa Tugova, Vorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, die sehr zahlreichen Gäste. Heuchelheims Bürgermeister Lars Burkhard Steinz hob hervor, dass es eine besondere Freude und Ehre für Heuchelheim sei, sich vor Ort ein detailliertes Bild von dieser Volksgruppe machen zu können. Die Ausstellung solle zum einen dazu beitragen. das noch immer gebenene Informationsdefizit in der Öffentlichkeit über die Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion auszuräumen und darüber hinaus auch einem besseren gegenseitigen Verständnis und einer schnelleren Integration dienen. Dreh-und Angelpunkt aller Integrationsbemühungen müsse jedoch die Förderung der Kenntnisse der deutschen Sprache sein. Ohne dies sei wirkliche Integration in Beruf und Gesellschaft nicht machbar. Lars Burkhard Steinz bedankte sich bei Projektleiter Fischer für die gelungene Ausstellung und ganz besonders bei Rosa Tugova von der Ortsgruppe Gießen für die von ihr erbrachte unermüdliche ehrenamtliche Arbeit.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung mit Liedvorträgen verschiedener Gesangsgruppen und Solisten. Die Volksliedergruppe des Gesangvereins »Germania« unter Leitung von Paul Renkhoff aus Biebertal trug Lieder wie »Wenn alle Brünnlein fließen« und »Ännchen von Tharau« vor, der Chor »Heimatklang« der Russlanddeutschen sang u. a. »Fritz und Olga singen von der Wolga« und die Sopranistin Tamara Duchownaja glänzte mit dem »Ave Maria«. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 2. Mai nach vorheriger Anmeldung beim Hallenwart Flick der Sporthalle Heuchelheim, Tel: 06 41.6 18 97, wochentags von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 15 Uhr. Eintritt frei.