Ausstellung "Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland" in Heuchelheim endet mit Begegnungsnachmittag

Alles hinter sich gelassen, was vertraut war

 

(vk). Die Ausstellung "Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland", die seit Mitte April im Foyer der Heuchelheimer Sporthalle zu sehen war, wurde am Sonntag mit einem russlanddeutschen Begegnungsnachmittag beendet. Verschiedene russlanddeutsche Gruppen präsentierten sich im Rahmen eines Kulturprogramms. Schon bei den ersten Musikklängen wurden spontan Tänze aufgeführt.

"Seit den liberalen Reformen unter Gorbatschow in der Sowjetunion Ende der 80er Jahre sind weit über zwei Millionen Russlanddeutsche ins Land ihrer Vorfahren - nach sechs, sieben, acht Generationen - zurückgekehrt. Für sie war es ein großer Schritt, der ihnen nicht leicht gefallen sein kann. Sie haben alles hinter sich gelassen, was vertraut und bekannt war. Auswanderung bedeutet immer einen tiefen Lebenseinschnitt, denn Auswanderung bedeutet Trennung", sagte Heuchelheims Bürgermeister Lars Burkhard Steinz.

 "Die meisten von ihnen kamen aus Kasachstan und Russland, vor allem weil sie für sich und ihre Kinder dort trotz des weitgehenden Wegfalls der Diskriminierung und Benachteiligung als Deutsche kaum Zukunftsperspektiven sahen", erklärte Steinz weiter. Für viele Spätaussiedler-Familien sei die Zuwanderung "eine Zerreißprobe zwischen Altem und Neuem. Sie müssen erst Vertrauen in ihr neues altes Land gewinnen". Dieses Vertrauen brauche Zeit und könne über mehrere Generationen gehen. Den jungen Deutschen aus Russland komme eine Mittler-Rolle zwischen den Generationen zu. Arbeitswille und der sprichwörtliche Fleiß der Russlanddeutschen würden entscheidend zur Integration beitragen. "Grundlage des gemeinsamen Integrations-Prozesses ist die gegenseitige Anerkennung. Ich wünsche uns allen, dass uns das gegenseitige Anerkennen immer besser gelingt, damit die Integration möglich ist", sagte der Rathauschef abschließend.

Die Orts- und Kreisgruppe Gießen-Wetzlar-Weilburg der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland nutzte den Nachmittag auch, um einige verdiente und langjährige Mitglieder auszuzeichnen. Rosa Emich, Mitglied des Bundesvorstands und Kreistagsabgeordnete im Landkreis Fulda, zeichnete die Vorsitzende der Orts- und Kreisgruppe Gießen-Wetzlar-Weilburg der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Rosa Tugova, für langjährige, treue Mitarbeit und als Ausdruck des Dankes für die Tätigkeit als Vertreterin der Landsleute in verschiedenen Bereichen der Ortsgruppe Gießen mit der bronzenen Ehrennadel der Landsmannschaft und mit einer Ehrenurkunde aus. Rosa Tugova zeichnete Marie Felten (Grünberg) und Joseph Hermann (Kirtorf) als Dank für ihre Verdienste aus. Zum Gelingen des Nachmittags trugen verschiedene Gesangsdarbietungen und Tänze, etwa von "Liederklang" Lollar und dem Chor der Gießener Landsmannschaft "Heimatklang", bei.