Ausstellung im Rathaus dokumentiert Geschichte

(ju). Die Wanderausstellung „Volk auf dem Weg - Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland“ eröffnete ihre Pforten im Foyer des Bürgerhauses in Allendorf/Lda. Besondere Beachtung gewinnt diese Ausstellung, die vom Bundesministerium des Innern gefördert wird, durch den 70. Jahrestag der Vertreibung der Deutschen in der damaligen Sowjetunion nach Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der Sowjetunion am 28. August 1941, dem in diesem Jahr gedacht wird.

Begleitet wird die Wanderausstellung, die aus 25 anschaulichen Stellwänden besteht und mit Karten- und Filmmaterial aufbereitet ist und in dem auch Zeitzeugen berichteten, von der Vorsitzenden der Orts- und Kreisgruppe Gießen-Wetzlar-Weilburg der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Rosa Tugova und dem landsmannschaftlichen Projektleiter Jakob Fischer.

 Die Wanderausstellung, die zuvor in Lollar zu sehen war und nach Langgöns weiterziehen wird, will die breite bundesdeutsche Öffentlichkeit über die Geschichte und Kultur der Deutschen in Russland (und der ehemaligen UdSSR) sowie über die Integration der Spätaussiedler in Deutschland informieren. Das Projekt soll zur Verbesserung der Akzeptanz der russlanddeutschen Spätaussiedler in der bundesdeutschen Gesellschaft beitragen und helfen, Vorurteile abzubauen. Die Ausstellung soll gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit wirken. Auf den Stellwänden wird die bewegende Geschichte der Russlanddeutschen erzählt, vom Manifest der Zarin Katharina II. über zögerliche Teilrehabilitierung und gescheiterte Autonomiebestrebungen 1955 bis 1991 bis hin zur Ausreisewelle 1988 und der Aufnahme, Integration und dem Neuanfang in Deutschland.

Beim offiziellen Eröffnungstermin waren neben dem Bürgermeister Horst Hormann auch Magistratsmitglied Werner Thielemann und die stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Annette Bergen-Krause anwesend.

Bürgermeister Hormann sprach von dem unglaublichen Leidensweg und der Vertreibung. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es in Allendorf kein Haus mehr gegeben, in dem nicht Flüchtlinge einquartiert waren, sie alle fanden in der Stadt letztlich Aufnahme. Vorsitzende Rosa Tugova berichtete in ihrem Grußwort von der Arbeit der Landsmannschaft und dem Wunsch, dass die Politik und die Industrie auf die Akademiker der Russlanddeutschen aufmerksam werde. In einer Zeit, da das Land selbst in Indien nach Akademikern sucht, liege nach ihrer Meinung ein großes Potenzial mit 45 Prozent an Hochschulabsolventen der eingereisten Russlanddeutschen im Land brach. Projektleiter Jakob Fischer erklärte die Schautafeln und konnte die Geschichte aufleben lassen. Gebannt und mit Spannung folgten die Besucher seinen Ausführungen. Mit einem Tag der Begegnung am 17. April, bei dem viele Vereine beteiligt sein werden, schließt die Wanderausstellung dann ihre Pforten.

08.04.2011 - ALLENDORF/LDA