Begegnungsabend der „Deutschen aus Rußland“ im Lollarer Gemeindezentrum - Musikalische Unterhaltung - Geld für Zeitzeugen-Projekt bewilligt

„Rüber bringen, dass sie Deutsche in Deutschland sind“

(sl). Sehr gut besucht war der Begegnungsabend der „Deutschen aus Rußland“, der im evangelischen Gemeindesaal stattfand. Unter dem Motto „Die Freude und das Lächeln sind die Sonne des Lebens“, lief ein buntes Programm ab, für das Tamara Schulz und Lilian Marinova verantwortlich zeichneten. Mitwirkende waren der deutsch-russische Singkreis „Silberklang“ unter der Leitung von Irene Maul. Die besondere Attraktion bildeten die beiden Kinder Erika Jordan (elf Jahre) und die zehnjährige Alina Malinov, die in russischer Sprache ein Lied sangen, obwohl sie Russisch nicht sprechen. Der Beifall war entsprechend groß. Die Landsmannschaft „Deutsche aus Rußland“ nahm mit Rosa Tugova die Gelegenheit wahr, für langjährige Mitgliedschaft zu ehren. Mehr als 30 Jahre sind Viktoria Kunz und Elisabeth Spolinski Mitglied und wurden dafür mit einer Urkunde und einem Buchgeschenk ausgezeichnet. „Wir müssen das schwere Schicksal der Deutschen in Russland bewahren, alles was Deutsche in Russland erlebt haben, pflegen und an die junge Generation weitergeben“, erklärte Tugova über das Projekt „Zeitzeugen“. Dazu soll es eine Dokumentation geben, und eingebunden sind dabei auch Studenten in Gießen und Marburg. „Wir hören uns die Geschichten der Betroffenen an, und übersetzen sie dann“, erklärte sie. Da das Ganze nicht kostenlos erstellt werden kann, wurden Fördergelder beantragt, die nach Aussage von Tugova am 23. Dezember bewilligt wurden.

 

Sie hofft nun, das fertige Projekt Ende März/April der Öffentlichkeit vorstellen zu können. Tamara Schulz sprach darauf von einem in Lollar gut etablierten Projekt, bei dem sie seit fünf Jahren die Russlanddeutschen vor Ort betreut. Sie dankte dabei vor allem Bettina Metz-Rolshausen, die sich sehr engagiert, aber auch Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek, und allen die ihre bisherige Arbeit unterstützten. Den Mut nicht zu verlieren, und die Sprache zu lernen, halte sie für vorrangig, erklärte Schulz. Denn nur, wenn man die Sprache verstehe und auch spreche, integriere man sich viel leichter und finde auch neue Freunde. Sie rief ihre Landsleute dazu auf, sich einzubringen, und am gesellschaftlichen und kulturellen Leben von Lollar teilzunehmen. Bürgermeister Wieczorek stellte fest, dass in Lollar sehr viel angeboten werde. „Ich möchte die Teilhabe einfordern,“ betonte er. Man müsse auch rüber bringen, dass „sie Deutsche in Deutschland sind“. Als Bindeglieder fungieren Tamara Schulz und Lilian Marinova, „nutzen sie das“, forderte er auf, ehe das Buffet freigegeben wurde, das aus Köstlichkeiten der deutschen und russischen Küche bestand. Nach der Pause gaben Schulz und Marinova Geschichten zum Besten, die sich tatsächlich ereignet hatten, und bei den Anwesenden für Erheiterung sorgten.

Quelle: 18.01.2011 - LOLLAR (Gießener Anzeiger)